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Kritiken

Weiß, wo der Witz am besten landet:
Die Bonner Kabarettistin Anka Zink.
(Gelsenkirchen/09. November 2008) von Christina Betting
Foto: Sonja Glaser-Stryak

Anka Zink verbreitete mit ihrem achten Soloprogramm gute Laune in der Kaue: Sinnierte zwei Stunden über den Body Mass Index, ehrgeizige Eltern, den Vorteil von Bio-Windeln und Bionade als Getränk

Die Gelsenkirchener Kaue in eine Wellness-Oase verwandeln? Das schafft wirklich nur Anka Zink. Die Bonner Kabarettistin kann zwar nicht mit Beauty-Geheimnissen und Schönheits-Tipps dienen, dafür aber mit Wellness für die Lachmuskeln. So sorgte die Künstlerin am Samstagabend mit ihrem zweistündigen Programm "Wellness für alle" für gute Laune unter dem Publikum in der Kaue.

"Wir leben in einer Zeit, in der Äußerlichkeiten immer wichtiger werden", beginnt Anka Zink ihr achtes Solo-Programm. Und so wird nordisch gewalkt, thailändisch massiert, der Body Mass Index ermittelt und der persönliche Co-Ausstoß überprüft. Wellness ist einfach ein schönes Gefühl. "Früher war Beauty was für doofe, reiche Frauen. Heute haben wir Wellness. Und mit Wellness lässt sich nicht nur Schönheit sondern auch das gute Gewissen kaufen", weiß Zink.

Aber sie weiß noch mehr: Unsere Gesellschaft wird nicht nur oberflächlicher, Eltern werden auch immer ehrgeiziger. Da werden Kinder nicht nur zum Reiten und Klavierspielen geschickt, sondern gleich auch zum Business-Englisch und zum Imkern für Hochbegabte.

Und während Anka Zink anschließend über das Nervengift Botox als Nachfolger der Nachtigall-Kacke nachdenkt, über den Vorteil von Bio-Windeln sinniert und Bionade als Getränk einstuft, dass die Welt retten kann, ist sie so entspannt, als wären ihr diese Geschichten gerade eben erst eingefallen.

Als Anka Zink nach zwei Stunden von der Bühne geht, hat sie wieder einmal bewiesen, dass sie den Weg zur Pointe kennt und weiß, wo der Witz am besten landet. Und ihr Publikum hat sie gelehrt: Lachen ist immer noch der beste Weg zur Entspannung.



"Massen in Bewegung"
Anka Zink verordnet Wellness für alle
(Neue Westfälische/08. April 2008) von Dietmar Gröbing

Delbrück. Es war ein gelungener Abend. Und das nicht nur, weil Anka Zink als Kabarettistin überzeugte, sondern weil sie auch als Soziologin eine starke Vorstellung gab. Da vermischte sich die investigative Betrachtung der menschlichen Gesellschaftsstruktur mit ihrer bissigen Überhöhung und ergab unter dem Strich eine freche Bestandsaufnahme des humanen Strebens nach Glück und Wohlbefinden. Jedoch war "Wellness für alle" kein Sonderangebot in Sache Wohlfühlkultur, resümierte das Programm doch vielmehr als vielschichtige Durchleuchtung eines mental und moralisch degenerierten Volkes. Als Krankheit fungiert laut Anka Zink die Zivilisation, "und die ist nicht heilbar". Wenn Religion Beruf und Partnerschaft als Sinnstifter ausgedient haben dann bedarf es dringend eines Ersatzes. Und der heißt duales Systems, schließlich versetzt der Glaube (Müll)-Berge. Die bewegen sich manchmal tatsächlich, heißen laut der Kölnerin dann aber "Biotonnen" was gleichbedeutend mit "dicke Vegetarier" ist.

Zusammen mit den "Besseressis" übernehmen selbige zunehmend das Kommando, drängen wie der Wellness-Boom schleichend in unser Leben. Denn Äußerlichkeiten haben den inneren Werten längst der Rang abgelaufen, "dick und gemütlich" ist out, Anti-Falten und Anti-Aging ist in. Resultat sind skurrile Zeitgeist-Auswüchse wie "Botox to" Bewegung, eine Art "Drive-in for Last Minute Restauration". Die wiederum hatte Anka Zink nicht nötig, wirkte die Rheinlanderin ihrem Delbrücker Gastspiel doch so frisch und unverbraucht wie kaum eine Künstlerin vor ihr. Als gut geschrieben, pointiert entwickelt und exzellent vor getragen blieb ihr Programm in Erinnerung, versetzte ähnlich wie der Wellness-Trend die Massen in Bewegung



"Anka Zink entdeckt im Haus der Springmaus ihre wilde Seite und kondoliert Deutschland zum 21. Jahrhundert."
(Bonner Generalanzeiger/17. April 2005)

Anka Zink hat viele Namen bekommen, seit sie deutsche Kabarettbühnen unsicher macht. "Powerfrau" wird sie vielleicht am häufigsten genannt, aber das ist ein so ausgelutschtes Wort. Am besten ist "Rheinischer Satansbraten". Das Rheinische kann man bei der Bonnerin nicht überhören, und den Satansbraten serviert sie genau so, wie er sein soll: deftig, reichhaltig, scharf gewürzt und knusprig. Wer sie trifft, wenn sie als Produzentin agiert - und sie hat schon einigen Nachwuchstalenten ebenso wie gestandenen Bühnenstars den besten Weg zur Pointe gewiesen - dann erlebt man einen gestandenen Profi der Kleinkunst, eine strenge Lehrmeisterin, die genau weiß, wo der Witz trifft und wo er daneben geht. Anka Zinks Solo-Seite dagegen ist vollkommen entspannt, als wären ihr die Geschichten, die sie so erzählt, gerade eben eingefallen. Sie kann's eben.
Sie ist an einem Karnevalssonntag geboren. Klar. In Bonn. Auch klar. Und irgendwie muss Anka immer schon zum Lachen gewesen sein. Der Ulk nistet in ihren Augen, da half auch kein Klosterinternat. Und selbst das Soziologiestudium konnte ihr den Humor nicht nehmen. Als diplomierte Soziologin sah sie sich in den Uni-Seminarräumen ungewöhnlich vielen Studenten gegenüber, die alle deshalb kamen, weil hier das Pult eine Bühne war. Starring: et Anka.
Als sie mit einer Freundin ins Theater ging und dort just ein Casting lief, machte sie spontan mit. Bill Mockridge hieß der Regisseur, und Anka Zink wurde zum Mitglied von Mockridges erlauchtem Komikerkreis, der das Springmaustheater aus der Taufe hob. Als die Mäuse die Erfolgstreppe heraufgesprintet sind, wechselte Anka nach Düsseldorf zu Lore Lorenz' Kom(m)ödchen, wo sie sich mit Harald Schmidt die Bühne teilte. Zum Fernsehen war es nur ein kleiner Schritt, längst ist sie Stammgast in allen großen Comedy-Shows - und kehrte auf ihre Art an die Uni zurück. Sie baute Deutschlands erste Comedy-Schule in Köln mit auf und wurde dort Dozentin. Und immer wieder kommt sie uns solo. Die Titel ihrer Programme: Namensdreher wie "Zink of Me" oder, ganz frisch "Zink wirkt zuverlässig". Wenn man schon einen Namen wie eine Marke hat, muss man nicht mehr lange über Programmtiteln brüten. Zuverlässig war sie im Prinzip schon immer, insofern zeigt sie sich nicht von einer "ganz neuen Seite", wie ihr Programm beworben wird, sondern von der alten. Frech kondoliert sie Deutschland zum Eintritt ins 21. Jahrhundert, wo "Reform" ein neues Wort für "Rückschritt" ist und Service bedeutet, dass man alles selber machen muss - vom Sex über Schönheitsoperationen bis zum Fernsehprogramm.




Anka Zink
Nächster Termin:
06.10.2010 20.00Uhr
"Wellness für alle" 
Jüchen 
Aula der Realschule 
Tickets: 02165/915 403  »mehr«